Zu nett sein

Einleitung

Zu nett sein | Bild: Envato Elements

Oh ja, wie oft habe ich in meinem Leben den folgenden Spruch gehört „Hey Marcel! Du bist einfach zu gut fĂŒr diese Welt!“

Soll heißen, da war ich wieder einmal zu nett.

Warum bin ich so? Das hat einen klaren Ursprung in meiner Vorgeschichte. Daher ist es sinnvoll, dir erst einmal meine Geschichte zu dem Thema erzÀhlen.

In diesem Artikel möchte ich dir meine Erfahrungen beschreiben und dir ein paar Tipps geben, wenn du so Ă€hnlich bist wie ich. Das soll dir z. B. dabei helfen, nicht aufgrund dieser – wie ich finde – tollen Eigenschaft ausgenutzt zu werden! 😉

Meine Geschichte

Nonne, Erziehung | Bild: Envato Elements
Nonne, Erziehung | Bild: Envato Elements

Als ich vier Jahre alt war, wurden meine zwei BrĂŒder und ich von meinen Eltern getrennt. Wir kamen in ein evangelisches Kinderheim und wurden dort von einer Nonne wie im Kloster erzogen. „Marcel, dort oben in der Ecke ist das Kreuz. Du musst vor dem Essen deine HĂ€nde falten, beten und dankbar sein!“

Das hat mich sehr geprÀgt.

Ich bin daher von Natur aus nett, höflich, hilfsbereit, zuvorkommend und offen. Auch habe ich immer zuerst positiv ĂŒber neue Bekanntschaften gedacht. Dabei bin ich gelegentlich damit auf die Schnauze gefallen. RĂŒckblickend war das in manchen FĂ€llen naiv. Man lernt aber ĂŒber die Jahre aus den Erfahrungen, die man sammelt.

Viele konkrete Beispiele und Details werde ich hier noch nicht nennen. Vielleicht lasse ich mich spĂ€ter mal auf meinen KanĂ€len dazu hinreißen. 🙂

Ein greifbares Beispiel möchte dir jedoch gerne bieten.

Was mir schon passiert ist

Ich bin z. B. auf einem Jahrmarkt in OsnabrĂŒck auf ein Paar hereingefallen, das um Spenden bat.

ZunĂ€chst einmal hat mir die Frau einen Zettel hingehalten, auf dem ihre leidige Situation beschrieben war. Sie kommt allein nicht klar und hat niemanden. Dazu hat sie eine Story erzĂ€hlt, die mich berĂŒhrt hat. Sie hat mir voll leidgetan und ich habe ihr erst 5, aber dann doch 10 € gespendet.

Helfen | Bild: Envato Elements
Helfen | Bild: Envato Elements

Dann bin ich ĂŒber den Jahrmarkt spaziert und zwei Stunden spĂ€ter bei einem Mann gelandet. Dieser Mann befand sich auf der einen Seite des Jahrmarkts. Der Markt erstreckte sich ĂŒber einen kilometerweiten Bereich verteilt ĂŒber die Innenstadt. Er hat mir einen Zettel mit absolut dem gleichen Text entgegengehalten und mich angesprochen. Er fing an, auf exakt die gleiche Art dieselbe Story zu erzĂ€hlen, dass er nun ganz allen sei und nicht klarkommt. Ich habe natĂŒrlich ĂŒberrascht abgelehnt.

Kurze Zeit spĂ€ter habe ich sie beide zusammen lachend weggehen sehen. Sie haben dabei die heutige „Beute“ begutachtet.

Hier habe ich „nur“ 10 € verloren, aber es gibt immer wieder im TV und in den sozialen Medien Beispiele, wo sich Leute verlieben und viel Geld ĂŒberweisen. Dann hören sie nichts mehr von der anderen Person. Diese Storys kommen mir oft ĂŒbertrieben oder gar gestellt vor, aber ich denke, manche sind auch wirklich wahr. Ob es eine Kombination aus Liebe und Nettigkeit ist, weiß ich nicht, aber auf alle FĂ€lle eine starke NaivitĂ€t.

Was meinst du, war ich hier naiv? HÀtte ich damit rechnen können?

UnterstĂŒtzung | Bild: Envato Elements
UnterstĂŒtzung | Bild: Envato Elements

Ich spende seitdem weniger und eher auf bekannten Plattformen wie z. B. Save the Children & Co. Auch dort kommt womöglich nicht alles an und man kann leider bei einer korrupten Organisation landen.

Was hat mir geholfen?

„Vertraue so viel wie nötig, aber nicht so viel wie möglich.“

Als ich diesen Artikel geschrieben habe, ist mir dieser Satz ohne viel nachzudenken in den Sinn gekommen. Aber ich finde, es passt sehr gut. 😀

Im Prinzip habe ich ansonsten kaum etwas verÀndert.

Ich versuche, mit meiner Menschenkenntnis neue Leute einzuschĂ€tzen, und versuche immer mit einem „doppelten Boden“ in der Hand zu entscheiden. Man muss in vielen Situationen Leuten Vertrauen schenken, ansonsten gibt’s immer eine Art Patt-Situation. Man kann jedoch auch Einheimische auf Reisen fragen, was sie davon halten. Das senkt zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass du ausgetrickst wirst. Das meine ich z. B. mit dem doppelten Boden. Oder frage andere Leute, die bereits gespendet oder auf eine andere Art und Weise geholfen haben.

Es gibt viele Situationen, wo eine gesunde Vorsicht angebracht ist. Insbesondere dann, wenn es um das liebe Geld geht!

Tipps

Bist du „auch zu gut fĂŒr diese Welt,“ dann sei vorsichtiger, als du normalerweise bist.

ÜberstĂŒrze nichts! Du hast oft Zeit, erst einmal zu fĂŒhlen, wo du bei fremden oder neuen Leuten gelandet bist.

Bild: Envato Elements

Sprich, lass dir Zeit, bevor du etwas zustimmst. Lass dich nicht bedrÀngen!

In manchen Situationen kannst du auch erst einmal einer Person kleine Gefallen tun und dann schauen, ob du ausgenutzt wirst oder alles in Ordnung ist.

Bist du auf einer Reise und es geht darum, jemanden vor Ort zu helfen, sei vorsichtig. Hör dir alles in Ruhe an. SchĂ€tze immer den schlechtesten Fall ein und entscheide dann in Ruhe, ob du und wie helfen möchtest. Bist du dir unsicher, sag, dass dir das etwas zu schnell geht und du erst einmal ĂŒber Nacht darĂŒber schlafen möchtet. Dann siehst du, wie sie reagieren.

Gut, bei mir in dem Beispiel oben, ging’s nur um 10 €, aber du kannst das auf viele Situationen ĂŒbertragen.

Eine thailĂ€ndische Schule, die dich mitten in der Stadt um Hilfe bittet. Kleine Kinder, die dich anflehen. Wer kann da nein sagen? Machst du das in Indien an einer falschen Stelle, kommen auf einmal viele arme Leute aus dem GebĂŒsch und wollen dich ĂŒberfallen! Und sind die ĂŒberhaupt von einer Schule?

Hilfe auf Reisen | Envato Elements
Hilfe auf Reisen | Bild: Envato Elements

Du sollst fĂŒr Tiere aus einem Zoo spenden. Gehören die Leute, die darum bitten, wirklich zu einem Zoo?

Ein digitaler Nomade, vielleicht sogar aus dem gleichen Land wie du, möchte sich von dir technische AusrĂŒstung leihen. Denn bei ihm sei ja gerade etwas defekt. Er hat morgen einen wichtigen Abgabetermin fĂŒr einen Kunden und du wĂŒrdest ihn retten. Also leihst du ihm dein teures Netzteil vom MacBook Pro oder deine tolle neue Anker-Powerbank im Hotel. Am nĂ€chsten Morgen findest du heraus, dass er bereits abgereist ist. Mit deiner Leihgabe. Klingt vielleicht etwas konstruiert, ist aber absolut möglich!

Verstehe mich jedoch nicht falsch! Das muss nicht immer der Fall sein. Denk nicht gleich an das Schlimmste.

Fazit

Sei vorsichtig und lege ein gesundes Misstrauen an den Tag. Sei nicht naiv. Denk in Ruhe nach, bevor du dich zu einer Entscheidung hinreißen lĂ€sst.

Dann blickst du hoffentlich in fröhliche und dankbare Gesichter. Auch du kannst zufrieden sein und wurdest ganz bestimmt nicht abgezockt.

Hast du weitere Tipps? Wie sind deine Erfahrungen? Mich wĂŒrden deine positiven und negativen Erlebnisse interessieren!

Lass gerne einen Kommentar unten da. 🙂

Ich bin bestimmt nicht die einzige Person hier, die das interessiert!

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